Gedicht zu Gast

Juni 2021

Jan  Wagner

giersch

 

nicht zu unterschätzen: der giersch

mit dem begehren schon im namen — darum

die blüten, die so schwebend weiss sind, keusch

wie ein tyrannentraum.

 

kehrt stets zurück wie eine alte schuld,

schickt seine kassiber

durchs dunkel unterm rasen, unterm feld,

bis irgendwo erneut ein weisses wider-

 

standsnest emporschiesst. hinter der garage,

beim knirschenden kies, der kirsche: giersch

als schäumen, als gischt, der ohne ein geräusch

 

geschieht, bis hoch zum giebel kriecht, bis giersch

schier überall spriesst, im ganzen garten giersch

sich über giersch schiebt, ihn verschlingt mit nichts als giersch.

Bild :  Intellectures.de

Jan Wagner

Regentonnenvariationen

 

Gedichte

Hanser Berlin

 

ISBN   978-3-446-24646-1

 

Jan Wagner  liest :  Giersch

3sat Mediathek

 

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=50056

 

 

 

Bild :  weilkunst.blogspot.ch

Gedicht zu Gast

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